Apothekergarten Wiesbaden

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Beet 27 – Walahfrid Strabo

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Der Mönch Walafried Strabo

Zeichner: Heinrich Schröder, Köln
  Als historische Reminiszenz wurde im Apothekergarten Wiesbaden ein neues Beet angelegt. Es ist dem berühmtesten Dichter und Gelehrten des 9. Jahrhunderts, Walahfrid Strabo gewidmet. Der Name erinnert sogleich an sein anmutig anschauliches Gartenbuch “liber de cultura hortorum, später kurz “Hortulus” genannt, in dem sich der gelehrte Dichter zugleich als heilkundiger Pflanzenfreund erweist.

Walahfrid wurde 809 am Bodensee geboren. Mit 10 oder 12 Jahren kam er in die Klosterschule der Insel Reichenau. Die Lehrjahre auf der Insel Reichenau sollten den jungen Mönch auf ein ereignisreiches Leben vorbereiten. Sein erster Schritt aus der Enge und Strenge der klösterlichen Erziehung führte ihn in das damals berühmte Fulda. Dort im freien, anregenden Kreise internationaler junger Wissenschaftler wurde er Schüler des großen Theologen Rhabanus Maurus. Der kaiserliche Hofkaplan Grimald, der am Hofe Ludwigs des Frommen in Aachen eine einflußreiche Stellung hatte, empfahl Walahfrid als Prinzenerzieher für Ludwigs Sohn Karl aus zweiter Ehe mit der schönen und klugen Welfin Judith. Karl wurde später auch Karl “der Kahle” genannt.

Eine feierliche Huldigungsdichtung für das kaiserliche Paar führte den stillen Mönch ein in die große Welt des Hofes und seiner politischen Intrigen. Als sein Zögling 838 mündig wurde, erhielt der bescheidene und anhängliche Lehrer eine großzüge Belohnung: der kaum Dreißigjährige sollte nach dem Willen des Kaisers zum Abt auf die Reichenau berufen werden.

Doch zunächst entschied sich das Kloster für einen anderen Abt. Erst die Schenkung einiger kaiserlicher Güter an das Kloster erwirkte Walahfrids Ernennung zum Abt.

Aus dem Politiker und Höfling wird der Gelehrte, der mit Hilfe seiner begabten Mönche die Abtei Reichenau zu einem Zentrum der Wissenschaft, der Künste und des Handwerks erhebt und zum Mitbegründer der Reichenauer und St. Gallener Dichterschulen im humanistischen Geist der karolingischen Renaissance wird. Nicht nur Maler, Lehrer und kunstfertige Handwerker werden von allen Gegenden des Reiches aus der Abtei Reichenau erbeten, auch die Kunst der ärztlichen Betreuung im Kloster Reichenau wird zum Vorbild für andere Klöster.

In der Stille dieser fruchtbaren Jahre ist vermutlich Walahfrids Gartenbuch entstanden, das er dem Gönner, Freund und Vorbild in St. Gallen, dem Abt Grimald in Dankbarkeit widmet. Dieses Gartenbuch, das der spätere Entdecker und Herausgeber, Joachim von Watt, in der Wiener Erstausgabe von 1510 liebevoll “Hortulus” nannte, erfreut noch den heutigen Leser, nicht nur durch das Talent der poetischen Gestaltung, die Blätter, Blüten und Früchte zu anmutigem Leben erweckt, sondern auch durch den realistischen Scharfblick des sorgfältig Anteil nehmenden Naturbeobachters, der für die Schönheit der Formen und pflanzlichen Wachstumsbewegungen ebensoviel Sinn hat wie für die nützliche Heilkraft der kleinen und kleinsten Naturgebilde. In der pharmazeutischen Literatur gilt Walahfrids Gartenbuch als das erste botanische Dokument aus altdeutscher Zeit, da hier zum ersten Mal ein Dichter und Arzt sich als echter Naturkundler mit der Pflege und Nutzanwendung von Heilkräutern befaßt. Man erlebt des Gärtners Sorge um die Pflanzen, wenn er „tropfenweise mit eigener hohler Hand” die „zarten Wurzeln, die vor Durst vergehen”, tränkt. Und von der Fülle der so betreuten Lieblinge weiß er in anschaulichen Bildern zu berichten, indessen gilt das Hauptinteresse des dichtenden Gärtners den Heilkräutern, wenn er sagt:

Fenchel lockre, so sagt man, die Blähung des Magens und fördere lösend alsbald den zaudernden Gang der lange verstopften Verdauung. Ferner vertreibt die Wurzel des Fenchels, vermischt mit dem Wein, Trank des Leneaeus und so genossen, den keuchenden Husten.

Zahlreich sind in seinem Garten die Minzen:.... die Kräfte und Arten und Namen der Minze samt und sonders zu nennen gleiche dem Wissen um die Zahl der Fische im Roten Meer.

Da ist „die Staude des bitteren Wermuts mit zähem Gezweig”. Sie heilt nicht nur „den stechenden Kopf und den quälenden Schwindel”, kocht man „das bittere Grün” und gießt es über den Scheitel oder legt man die zusammengebundenen Blätter „in molliger Binde” ums Haupt, so ist es ein Haarmittel von erstaunlicher Wirkung.

Nach sieben Jahren fruchtbaren Wirkens auf der Reichenau fand Walahfrids Leben ein jähes Ende. Er sollte für seinen Landesherrn Verhandlungen führen mit seinem ehemaligen Zögling Karl, der jetzt Frankenkönig geworden war. Bei der Überfahrt über die Loire, am 18. August 849, ist Walahfrid ertrunken. Seine Leiche wurde im Kloster Reichenau beigesetzt.

Als Bild- & Textvorlage galt:

  1. Jubiläumsausgabe der Fa. Nattermann zum 50 jährigen Bestehen 1960 „die phyto therapeutische Welt”
  2. Klostermedizin von Birgit Frohn
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